Respekt.
Samstag, 30. August 2008
Applaus für die Busfahrer
Das klingt vielleicht komisch, aber ich bin im Urlaub auf etwas gestoßen, dass meines Erachtens nach ein Schlüsselloch mit Sicht auf unser Inneres ist. Als unser Flieger – Condor – in Santorini aufsetzte fing ein recht beträchtlicher Anteil der Passagiere an zu applaudieren. Ich vermute einfach mal, dass man hierdurch Dankbarkeit für das sichere Erreichen des Ziels ausdrücken wollte, oder aber auch Bewunderung für die Arbeit vom Piloten. Wobei es zugegebener Maßen einen gewissen Zusammenhang zwischen beidem gibt. So ein Applaus ist jetzt nichts Neues, aber es stellte mich dieses Mal doch irgendwie in Frage.
Als wir, meine Geschwister und ich, klein waren, machten wir ein Spiel draus. Gewonnen hatte der, der zuerst – vor allen anderen Passagieren – anfing zu klatschen. Es musste aber so getimed sein, dass die anderen sich dann auch anschlossen. Alleine Klatschen z.B. 5 Minuten vor der eigentlichen Landung war peinlich und gegen die Regeln. Das Klatschen hatte in diesen Jahren weniger mit der eigentlichen Dankbarkeit oder Anerkennung von der Leistung eines anderen zu tun, sondern hatte sich als Spiel verselbstständigt.
Dann kam die Coolheit. „Ist doch völlig normal so eine Landung. Ich erleb so was jeden zweiten Tag. Leute, macht euch mal locker – so toll ist das hier auch nicht und klatschen ist kindisch.“
Dann kam die Phase der Rebellion. „Wenn alle klatschen, klatsche ich nicht. Der Kerl da vorne wird dafür bezahlt.“ Manche von uns haben diese Phase nie ganz hinter sich gelassen.
Dann kam die Aufklärung. Warum fängt man beim Aufsetzen auf die Landebahn an zu klatschen? Nach einem Maschinenbaustudium, weiß ich zwar, dass das Aufsetzen wahrscheinlich wirklich einer der mechanisch schwierigsten Momente für den Flieger ist, aber die Bremsen könnten ja auch erst 10 Sekunden später versagen. Es stellt sich eine gewisse Genugtuung in der heimlichen Souveränität über den unwissenden Pöbel ein. Will man wenigstens die direkten Sitznachbarn an der eigenen Besserwisserei teilhaben lassen, kann man bewusst erst nach dem erfolgreichen Abbremsen anfangen zu klatschen.
Und dann kam die Frage nach der Gerechtigkeit. Warum klatsche ich für einen Piloten, aber nicht für den Busfahrer? Weil er weniger Geld verdient? Selbst wenn fliegen schwieriger ist – tödlich kann auch ein Busfahrerfehler sein. Oder warum klatsche ich für den Piloten aber nicht für den Currywurstverkäufer um die Ecke, der mich wieder nicht vergiftet hat oder den Friseur der mir wieder nicht in die Pulsader geschnitten hat? Die Verteilung meines Applauses erscheint mir ungerecht. Es ist nicht so, dass ich deshalb lieber sicherheitshalber mit Applaus überall gleich geize, aber als der Gruppenzwang meiner klatschenden Mittouristen bedrängte, stellte ich mir meine nächste Busfahrt vor.
Also klatschte ich nicht. Eigentlich ein unschönes Ergebnis. Ich muss mir die Frage noch beantworten, wem mein Applaus gehören soll. Und bedanke mit trotz allem bei dem Condorpiloten für die gelungene Landung. Und dem Busfahrer. Und dem Currywurstverkäufer. Und dem Friseur.
PS: Wenige Tage später wurde wieder geklatscht. Es hatten sich in Oia eine Menge Leute versammelt um den Sonnenuntergang zu sehen. Und als sie weg war wurde geklatscht. Wieder so eine komische Applaus-Schlüsselloch-Situation. Aber wenn ich mich schon bei Condor und dem Currywurstverkäufer bedankt habe, danke ich an dieser Stelle auch dem Schöpfer für das Sonnenuntergangspektakel in Oia. Unter anderem.
Als wir, meine Geschwister und ich, klein waren, machten wir ein Spiel draus. Gewonnen hatte der, der zuerst – vor allen anderen Passagieren – anfing zu klatschen. Es musste aber so getimed sein, dass die anderen sich dann auch anschlossen. Alleine Klatschen z.B. 5 Minuten vor der eigentlichen Landung war peinlich und gegen die Regeln. Das Klatschen hatte in diesen Jahren weniger mit der eigentlichen Dankbarkeit oder Anerkennung von der Leistung eines anderen zu tun, sondern hatte sich als Spiel verselbstständigt.
Dann kam die Coolheit. „Ist doch völlig normal so eine Landung. Ich erleb so was jeden zweiten Tag. Leute, macht euch mal locker – so toll ist das hier auch nicht und klatschen ist kindisch.“
Dann kam die Phase der Rebellion. „Wenn alle klatschen, klatsche ich nicht. Der Kerl da vorne wird dafür bezahlt.“ Manche von uns haben diese Phase nie ganz hinter sich gelassen.
Dann kam die Aufklärung. Warum fängt man beim Aufsetzen auf die Landebahn an zu klatschen? Nach einem Maschinenbaustudium, weiß ich zwar, dass das Aufsetzen wahrscheinlich wirklich einer der mechanisch schwierigsten Momente für den Flieger ist, aber die Bremsen könnten ja auch erst 10 Sekunden später versagen. Es stellt sich eine gewisse Genugtuung in der heimlichen Souveränität über den unwissenden Pöbel ein. Will man wenigstens die direkten Sitznachbarn an der eigenen Besserwisserei teilhaben lassen, kann man bewusst erst nach dem erfolgreichen Abbremsen anfangen zu klatschen.
Und dann kam die Frage nach der Gerechtigkeit. Warum klatsche ich für einen Piloten, aber nicht für den Busfahrer? Weil er weniger Geld verdient? Selbst wenn fliegen schwieriger ist – tödlich kann auch ein Busfahrerfehler sein. Oder warum klatsche ich für den Piloten aber nicht für den Currywurstverkäufer um die Ecke, der mich wieder nicht vergiftet hat oder den Friseur der mir wieder nicht in die Pulsader geschnitten hat? Die Verteilung meines Applauses erscheint mir ungerecht. Es ist nicht so, dass ich deshalb lieber sicherheitshalber mit Applaus überall gleich geize, aber als der Gruppenzwang meiner klatschenden Mittouristen bedrängte, stellte ich mir meine nächste Busfahrt vor.
Also klatschte ich nicht. Eigentlich ein unschönes Ergebnis. Ich muss mir die Frage noch beantworten, wem mein Applaus gehören soll. Und bedanke mit trotz allem bei dem Condorpiloten für die gelungene Landung. Und dem Busfahrer. Und dem Currywurstverkäufer. Und dem Friseur.
PS: Wenige Tage später wurde wieder geklatscht. Es hatten sich in Oia eine Menge Leute versammelt um den Sonnenuntergang zu sehen. Und als sie weg war wurde geklatscht. Wieder so eine komische Applaus-Schlüsselloch-Situation. Aber wenn ich mich schon bei Condor und dem Currywurstverkäufer bedankt habe, danke ich an dieser Stelle auch dem Schöpfer für das Sonnenuntergangspektakel in Oia. Unter anderem.
Freitag, 15. August 2008
learning by doing?
Es ist schon irgendwie interessant bis beängstigend, wie sich manche Dinge zu wahrscheinlich hohen Preisen durchgesetzt haben. Ein Beispiel dafür ist die Zubereitung von Fugu:
Fugu (jap. 河豚) ist eine japanische Spezialität. Es besteht aus dem Muskelfleisch von Kugelfischen deren Innereien sowie Haut durch Tetrodotoxin giftig sind.
Die Wirkung wie auch die Gefährlichkeit der Kugelfische werden bereits im ältesten chinesischen Kräuterbuch (Pen tsao chin) erwähnt. Die Zahl der Menschen, die in Japan in den Jahren 1956 bis 1958 an Fugu-Vergiftungen starben, belief sich auf 420. Daher muss heute in Japan jeder, der mit Fang, Handel oder Zubereitung zu tun hat, eine spezielle Lizenz besitzen. In Deutschland ist die Zubereitung von Fugu verboten.
(Source Wikipedia/Fugu)
Wie kommt diese Menschheit darauf, so lange an der Zubereitung eines hochgiftigen Fisches zu arbeiten, bis man weiß bei welchen Stücken man ausnahmsweise nicht elendiglich verreckt? Warum isst man nicht einfache einen der hunderttausend anderen Fische?
Fugu (jap. 河豚) ist eine japanische Spezialität. Es besteht aus dem Muskelfleisch von Kugelfischen deren Innereien sowie Haut durch Tetrodotoxin giftig sind.
Die Wirkung wie auch die Gefährlichkeit der Kugelfische werden bereits im ältesten chinesischen Kräuterbuch (Pen tsao chin) erwähnt. Die Zahl der Menschen, die in Japan in den Jahren 1956 bis 1958 an Fugu-Vergiftungen starben, belief sich auf 420. Daher muss heute in Japan jeder, der mit Fang, Handel oder Zubereitung zu tun hat, eine spezielle Lizenz besitzen. In Deutschland ist die Zubereitung von Fugu verboten.
(Source Wikipedia/Fugu)
Wie kommt diese Menschheit darauf, so lange an der Zubereitung eines hochgiftigen Fisches zu arbeiten, bis man weiß bei welchen Stücken man ausnahmsweise nicht elendiglich verreckt? Warum isst man nicht einfache einen der hunderttausend anderen Fische?
Mittwoch, 13. August 2008
Englisch für Fortschreitende
Heute:
verbiage = complicated language with unnecessary words
zu deutsch:
verbiage = das Geschwätz, der Wortschwall
verbiage = eine bestimmte Art und Weise, sich auszudrücken (amerik.
Englisch)
Und das ist nur eins der vielen wunderhübschen Sprachschmuckstücke die dank "One word a Day" (Anmeldung siehe www.owad.de) hoffentlich nach und nach ihren Weg in meinen aktiven Englischwortschatz finden.
verbiage = complicated language with unnecessary words
zu deutsch:
verbiage = das Geschwätz, der Wortschwall
verbiage = eine bestimmte Art und Weise, sich auszudrücken (amerik.
Englisch)
Und das ist nur eins der vielen wunderhübschen Sprachschmuckstücke die dank "One word a Day" (Anmeldung siehe www.owad.de) hoffentlich nach und nach ihren Weg in meinen aktiven Englischwortschatz finden.
Wieviel verdienst du?
Zum "Jammern auf hohem Niveau" weise ich zwecks Abgleich von gefühlter Armut und Realität auf diesen einfachen online Rechner hin:
globalrichlist
globalrichlist
Freitag, 1. August 2008
back to the roots
Das Christentum begann in Galiläa als Gemeinschaft von Männern und Frauen, die sich um Jesus versammelten.
Dann kam es nach Griechenland und wurde eine Philosophie.
Es kam nach Rom und wurde eine Institution.
Es kam nach Europa und wurde eine Kultur.
Es kam in die USA und wurde ein Geschäft.
Wir müssen zu unseren Wurzeln zurückkehren.
Richard Halverson, ehemaliger Geistlicher des US-Senats
(gefunden in „The Vision“ von Pete Greig)
Dann kam es nach Griechenland und wurde eine Philosophie.
Es kam nach Rom und wurde eine Institution.
Es kam nach Europa und wurde eine Kultur.
Es kam in die USA und wurde ein Geschäft.
Wir müssen zu unseren Wurzeln zurückkehren.
Richard Halverson, ehemaliger Geistlicher des US-Senats
(gefunden in „The Vision“ von Pete Greig)
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